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Viele Menschen tanzen auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig. Dass dies langfristig nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand.

Autor: Ferris A. Bühler

Sie kennen sie sicher auch: jene Menschen, die überall auf irgendeine Art und Weise mit von der Partie sind. Einerseits besetzen sie einen verantwortungsvollen Posten in einem renommierten Unternehmen, andererseits haben sie aber auch noch eine äusserst zentrale Funktion bei einem lokalen Verein und sind gleichzeitig in einer wohltätigen Organisation für verschiedene Aufgaben verantwortlich.

Verzettelte Multitalente

Vielleicht mögen Sie diese Menschen im ersten Moment als vielseitige Multitalente bezeichnen. Es mag Ihnen wahrscheinlich auch äusserst praktisch erscheinen, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die verschiedene wichtige Positionen gleichzeitig besetzen und immer überall Einfluss nehmen können. - Doch Achtung! Wenn Ihre Partner oder Mitarbeiter auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen, dann besteht die grosse Gefahr, dass sie sich hoffnungslos verzetteln und die Qualität des Hauptgeschäftes massiv darunter leidet. So kann sich der neu eingestellte Mitarbeiter, der sich ursprünglich als wahres Multitalent mit vielseitigen Interessen und Neigungen präsentierte, plötzlich als unzuverlässigster Mitarbeiter Ihrer Firma entpuppen!

Können Sie jede Braut glücklich machen?

Keine Angst, ich will Ihnen jetzt nicht den Spass verderben, auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen! Dafür weiss ich nur allzu gut, wie spannend es sein kann, an verschiedenen Fronten gleichzeitig präsent zu sein. Die Frage ist nur: Können Sie die Braut wirklich an jeder Ihrer vielen Hochzeiten glücklich machen? Oder anders: Sind Sie tatsächlich in der Lage, die anspruchsvollen Aufgaben zur vollen Zufriedenheit Ihrer Kunden zu erledigen? Wenn Sie diese zentrale Frage jetzt nicht gerade mit einem klaren Ja beantworten können, so können Ihnen die folgenden Überlegungen weiterhelfen (damit richte ich mich übrigens nicht nur an selbständig Erwerbende und Unternehmer, sondern auch an Angestellte und Privatpersonen):

Berechnen Sie Ihr Zeit-Budget

Also, werden Sie sich jetzt zuerst einmal bewusst, wie viel Zeit Ihnen überhaupt für Ihre beruflichen Aktivitäten zur Verfügung steht. Rechnen wir in unserem Beispiel mit 21,5 Tagen pro Monat zu je 8 Stunden. Dies ergibt ein Monatstotal von 172 Stunden, wovon rund 40 Prozent für Unvorhergesehenes und als Reserve abgezogen werden müssen - glauben Sie mir, Sie müssen dafür so viel vorsehen! Es bleiben Ihnen schliesslich 103 Stunden übrig. Diese 103 Stunden stehen Ihnen voll und ganz für Ihre beruflichen Kernaufgaben zur Verfügung. Teilen Sie nun alle Ihre Aufgaben und Verpflichtungen auf diese Stunden auf. - Und, wie viel Zeit bleibt jetzt noch übrig? Haben Sie Ihr Zeit-Budget bereits ausgeschöpft? Oder etwa gar überzogen?

Definieren Sie Ihre Hauptaufgaben

Wenn Sie der stolze Besitzer einer eigenen Firma sind, dann erleben Sie wahrscheinlich täglich, wie unzählige interessante Anfragen auf Ihrem Schreibtisch landen. Je kreativer Sie sind, desto mehr Ideen und Möglichkeiten werden Sie wahrscheinlich auch entdecken, sich aktiv irgendwo und irgendwie zu engagieren. Denken Sie jetzt jedoch daran, dass Ihnen nur ein knappes Zeit-Budget von 103 Stunden pro Monat zur Verfügung steht! Tun Sie ab sofort also nur noch Dinge, die

a) Sie weiterbringen,

b) in Ihre Firmenstrategie passen oder

c) Ihnen zumindest viel Geld bringen.

Auch in Grossfirma wichtig

In einer Grossfirma verhält sich dies nicht anders. Wenn Sie sich als Angestellter für zu viele Projekte, Arbeitsgruppen und Ämter freiwillig melden, dann leidet Ihr eigentlicher Job darunter. Was nützt es schon, wenn Sie sich für das alljährlich stattfindende Betriebsfest überdurchschnittlich engagieren und die von Ihnen betreuten Kunden über einen längeren Zeitraum überhaupt nichts mehr von Ihnen hören? Fokussieren Sie sich auf Ihre Kernaufgaben, und Sie werden Ihre Qualität dadurch erheblich steigern! Damit machen Sie übrigens nicht nur Ihren Chef glücklich, sondern auch Ihre Kunden, die schlussendlich Ihren Lebensunterhalt finanzieren. Fragen Sie sich deshalb immer wieder, welche Aufgaben und Aktivitäten für Ihre Stelle wirklich wichtig sind.

Hetzjagd in der Freizeit

Wie sieht es übrigens mit Ihrem Privatleben aus? Können Sie da wirklich auch einmal Nein sagen? Ihre vielleicht »heilige« Freizeit ist schneller angetastet, als Sie es glauben: Plötzlich sind Sie das dringendst gesuchte, neue Mitglied im Vorstand des Hobby- Gärtnervereins, der Präsident des Organisationskomitees für die Einweihung der neuen Turnhalle oder der Schatzmeister bei der freiwilligen Feuerwehr. So wird eine gnadenlose Hetzjagd auf Sie eröffnet, und Sie rasen von einer Sitzung zur nächsten. Dabei wollten Sie eigentlich nur keinen schlechten Eindruck gegenüber Ihren Mitmenschen erwecken... Fragen Sie sich an dieser Stelle, ob Sie sich in Ihrem Privatleben wirklich erholen können. Sprechen Sie unbedingt auch mit Ihren Familienangehörigen. Reduzieren Sie die Aktivitäten in Ihrer Freizeit auf das, was Ihnen wirklich wichtig ist, Spass macht und etwas bringt. - Und, auf wie vielen Hochzeiten werden Sie im Jahr 2001 noch tanzen?

 

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